Sterne drehen sich beim Artemis 2-Sprung an Orions Fenster vorbei

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Hübsche Aussicht.

Dieses wirbelnde Sternengewirr am Himmel ist nicht nur eine Kulisse, es ist ein Rekord. Eine Aufzeichnung eines „Roadtrips“ zum Mond, aufgenommen durch das Fenster der Orion-Kapsel „Integrity“ am 18. Mai. Nun, technisch gesehen April. Aber das Bild wurde im Mai zum Weltraumfoto des Tages gekürt.

Die Aussicht galt nur für die erste Reihe.

Die NASA hat letzten Monat vier Menschen dorthin geschickt. Reid Wiseman, Victor Glover, Christina Koch. Plus Jeremy Hansen von der Canadian Space Agency. Sie machten sich auf den Weg, umkreisten zehn Tage lang die dunkle Seite des Mondes und kamen nach Hause. Am 10. April ohne Probleme im Pazifik versunken.

Jeder von ihnen hatte sein eigenes Fenster. Der Orion hat vier. Genug für die Crew, um ins Leere zu starren, ohne irgendjemanden mit dem Ellbogen um Platz zu bitten.

Und sie starrten. Das Bild zeigt, was Sie erhalten, wenn Sie von der Erde weg beschleunigen. Sterne stehen nicht still in Ihrem Sichtfeld, wenn Sie sich schnell genug bewegen, sodass sich eine 400.000-km-Reise kurz anfühlt. Sie schmieren. Sie wirbeln.

Warum sollte man sich mit Erdhorizonten zufrieden geben, wenn man das hat?

Es ist wie ein irdischer Roadtrip. Du schaust aus der Seitenscheibe. Felder verschwimmen vorbei. Berge schrumpfen. Hier sind die Felder Galaxien und die Berge nur tiefere Hohlräume. Im wahrsten Sinne des Wortes nicht von dieser Welt, was ein bisschen klischeehaft klingt, wenn man es laut sagt, aber zutreffend ist, wenn man es aus dem Weltraum erlebt.

Das war nicht nur Sightseeing.

Artemis 2 ist wichtig. Es beweist, dass der Stack funktioniert. Das Schiff hält Luft, die Leute halten (meistens) ihr Mittagessen, die Führung hört nicht auf. Die NASA will wieder Menschen auf der Mondoberfläche haben. Sie waren seit dem Ende von Apollo im Jahr 1972, also vor über einem halben Jahrhundert, nicht mehr dort.

Der Plan sieht keinen Vorbeiflug für einen Fototermin vor. Dieser Teil ist erledigt. Artemis 3 soll etwa im Jahr 2027 einen Andocktest im Orbit durchführen. Artemis 4 soll Ende 2028 landen.

Es geht darum, an Ort und Stelle zu bleiben. Langfristige Präsenz. Infrastruktur. Basen.

Eines Tages wird ein Fenster nicht mehr die Abflugbahn einrahmen. Es wird eine Ankunft einrahmen. Wenn Sie hinausschauen, sehen Sie vielleicht keine vorbeiwirbelnden Sterne, sondern aufgewirbelten Staub.

Wer weiß, ob sich bis dahin noch jemand für die Aussicht interessiert. Aber im Moment ist es hübsch.