„The Great Shadow“ von Susan Wise Bauer untersucht, wie Krankheiten die Geschichte der Menschheit tiefgreifend geprägt haben, von individuellen Überzeugungen bis hin zu kollektiven Handlungen. Das Buch wurde zu einer Zeit veröffentlicht, in der die öffentliche Gesundheit nach wie vor ein wichtiges Anliegen ist, und bietet einen umfassenden historischen Bericht über Jahrtausende. Es wird argumentiert, dass alles, von kulturellen Normen bis hin zu Verbrauchergewohnheiten, durch das ständige Vorhandensein von Krankheiten beeinflusst wurde.
Die Entwicklung des medizinischen Denkens
Bauer verfolgt den Wandel von alten medizinischen Paradigmen, die auf Theorien über Körpersäfte und innere Harmonie basieren, hin zum modernen Verständnis der Keimtheorie. Sie stellt fest, dass der Übergang bemerkenswert langsam verlief und Jahrhunderte dauerte, bis er sich in der medizinischen Gemeinschaft durchsetzte. Diese Verzögerung hatte verheerende Folgen und führte zu Millionen vermeidbarer Todesfälle. Das Buch beleuchtet den Widerstand von Pionieren wie Alexander Gordon und Ignaz Semmelweis, die geächtet wurden, weil sie keimbasierte Theorien vertraten, bevor sie allgemein akzeptiert wurden.
Moderne Echos früherer Überzeugungen
The Great Shadow behauptet, dass Reste des vorwissenschaftlichen medizinischen Denkens in der modernen Einstellung zur Gesundheit fortbestehen. Bauer weist darauf hin, dass die Skepsis gegenüber Impfstoffen beispielsweise den historischen Widerstand gegen den medizinischen Fortschritt widerspiegelt. Ihre Analyse gerät jedoch gelegentlich in anekdotisches Terrain, wie etwa ihre persönliche Entscheidung, nach der COVID-19-Pandemie auf Vorsorgeuntersuchungen zu verzichten, weil sie befürchtete, über Gewichtszunahme „belehrt“ zu werden. Dieser Ansatz untergräbt die Glaubwürdigkeit des Buches, da er die Grenze zwischen historischer Analyse und persönlicher Erfahrung verwischt.
Die drohende Gefahr zukünftiger Pandemien
Trotz seiner Mängel schließt das Buch mit einer deutlichen Warnung vor den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Bauer verweist auf den dritten epidemiologischen Übergang – gekennzeichnet durch Antibiotikaresistenz, neu auftretende Krankheiten und schnelles Reisen um die Welt – als Rezept für schnelle und weit verbreitete Ausbrüche. Dieses letzte Argument unterstreicht die anhaltende Relevanz des Verständnisses, wie Krankheiten das menschliche Schicksal beeinflussen.
Das Versagen von Antibiotika und das Aufkommen neuer Krankheiten in Kombination mit einer hypervernetzten Welt schaffen ein Umfeld, in dem sich Pandemien wahrscheinlich schneller als je zuvor ausbreiten werden.
Das Buch erinnert daran, dass die medizinische Wissenschaft zwar erhebliche Fortschritte gemacht hat, die grundlegende Verletzlichkeit der menschlichen Bevölkerung jedoch unverändert bleibt.


























