Eine umfangreiche neue Studie hat ergeben, dass Ihre Position in der Geschwisterhierarchie – egal ob Sie das erstgeborene oder später geborene Kind sind – mit der Wahrscheinlichkeit zusammenhängt, über 150 verschiedene Erkrankungen zu entwickeln.
Durch die Analyse von Daten von mehr als 10 Millionen Geschwistern haben Forscher signifikante Zusammenhänge zwischen der Geburtsreihenfolge und einem breiten Spektrum von Gesundheitsproblemen identifiziert, die von neurologischen Entwicklungsstörungen bis hin zu chronischen körperlichen Beschwerden reichen.
Eine rigorose Herangehensweise an ein seit langem bestehendes Mysterium
Seit über einem Jahrhundert diskutieren Wissenschaftler darüber, wie die Geburtsreihenfolge Persönlichkeit und Intelligenz beeinflusst. Ein Großteil dieser historischen Forschung wurde jedoch dafür kritisiert, dass sie Daten „Rosinen herauspickt“ oder Umweltfaktoren, wie etwa die Art und Weise, wie Eltern unterschiedliche Kinder behandeln, nicht berücksichtigt.
Um dieses Problem zu lösen, verwendeten Forscher unter der Leitung von Benjamin Kramer an der University of Chicago eine streng kontrollierte Methodik:
– Geschwisterzuordnung: Sie verglichen Erstgeborene einer Familie mit Zweitgeborenen einer anderen und ordneten sie nach Geschlecht, Geburtsjahr, Alter der Eltern und dem Altersunterschied zwischen Geschwistern zu. Dies trägt dazu bei, die Geburtenreihenfolge von allgemeinen sozioökonomischen oder elterlichen Einflüssen zu isolieren.
– Genetischer Vergleich: Sie untersuchten außerdem 5,1 Millionen Familien, um genetisch verwandte Geschwister zu vergleichen.
– Maßstab: Die Studie deckte 418 Erkrankungen ab und fand bei 150 von ihnen signifikante Zusammenhänge.
Die Ergebnisse: Divergente Gesundheitsprofile
Die Studie ergab, dass die mit der Geburtenreihenfolge verbundenen Risiken nicht einheitlich sind; Sie unterscheiden sich erheblich, je nachdem, ob Sie Erst- oder Zweitgeborener sind.
🧬 Erstgeborene Risiken: Neuroentwicklung und Immunität
Bei Erstgeborenen traten mehrere spezifische Erkrankungen häufiger auf:
– Neurologische Entwicklungsstörungen: Erhöhtes Risiko für Autismus, Tourette-Syndrom und Kindheitspsychose.
– Immun- und Hautprobleme: Höhere Häufigkeit von Akne, Allergien und Heuschnupfen.
– Psychische Gesundheit: Eine höhere Wahrscheinlichkeit für Angststörungen.
💊 Zweitgeborene Risiken: Lebensstil und chronische Erkrankungen
Im Gegensatz dazu zeigten die Zweitgeborenen ein erhöhtes Risiko für eine andere Reihe von Problemen:
– Drogenmissbrauch: Eine höhere Tendenz zu Suchtverhalten.
– Chronische körperliche Beschwerden: Erhöhtes Risiko für Migräne, Gastritis (Magenentzündung) und Gallenwegserkrankungen (wie Gallensteine).
– Virusprobleme: Eine höhere Inzidenz von Gürtelrose.
Warum passiert das? Mögliche Erklärungen
Um diese Muster zu erklären, untersuchen die Forscher mehrere biologische und umweltbezogene Theorien.
Die „Freundlicher Feind“-Hypothese
Diese Theorie legt nahe, dass später geborene Kinder möglicherweise ein stärkeres Immunsystem haben, weil sie schon früh im Leben mehr Mikroben ihrer älteren Geschwister ausgesetzt sind. Diese Exposition trägt dazu bei, das Immunsystem zu „trainieren“, was möglicherweise erklärt, warum Erstgeborene häufiger an Allergien und Heuschnupfen leiden.
Biologische und diagnostische Faktoren
Der Zusammenhang zwischen Erstgeborenen und Autismus kann auf zwei Faktoren zurückzuführen sein:
1. Maternale Immunantwort: Das Immunsystem einer Mutter kann während der ersten Schwangerschaft stärker reagieren, was sich auf die Gehirnentwicklung des Fötus auswirken kann.
2. Diagnostischer Ersatz: Da Erstgeborene statistisch gesehen einen etwas höheren IQ haben, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie eine Autismusdiagnose erhalten, höher, während bei einem Geschwisterkind mit ähnlichen Symptomen, aber einem niedrigeren IQ stattdessen möglicherweise eine geistige Behinderung diagnostiziert wird.
Die Rolle der Umwelt und des Eingehens von Risiken
Das höhere Risiko für Substanzmissbrauch bei später geborenen Kindern könnte mit einer Tendenz zu risikofreudigem Verhalten zusammenhängen. Die Forscher weisen jedoch auch auf einen soziologischen Faktor hin: Später geborene Kinder könnten in bestimmten Berufslaufbahnen stärker vertreten sein, was zu einem stärkeren Kontakt mit Umgebungen führt, in denen der Drogenkonsum häufiger vorkommt.
„Wir werden jeden Menschen nur in einer Position in der Geburtsfolge beobachten. Wir werden nie erfahren, wie sich sein Leben in einer anderen Position anders entwickelt hätte“, warnt Julia Rohrer von der Universität Leipzig.
Fazit
Obwohl diese Ergebnisse statistisch signifikant sind, handelt es sich eher um bescheidene Assoziationen als um Gewissheiten. Die Geburtsreihenfolge dient als biologischer und umweltbedingter Marker, der gesundheitliche Trends beeinflussen kann, aber sie bestimmt nicht das medizinische Schicksal einer Person.
























